Gibt es bald wasserstoffbetriebene Kreuzfahrtschiffe?

am Di 5 Okt 2021 von Kreuzfahrtexperte

Ende Juli haben MSC Cruises, Fincantieri und Snam eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Bedingungen für Design und Bau des weltweit ersten wasserstoffbetriebenen Kreuzfahrtschiffes festlegt.

Die MSC Group, zu denen MSC Cruises gehört, gibt es seit 300 Jahren. MSC Cruises gehört zu den führenden Kreuzfahrtreedereien und wächst rasant. Zurzeit hat MSC Cruises 18 Kreuzfahrtschiffe, die bis 2025 auf 23 anwachsen sollen, weitere sechs Optionen für Neubauten gibt es bis 2030. Außerdem engagiert sich MSC Cruises seit einigen Jahren zunehmend, unter anderem bei den Neubauten der Flotte, auch für die Umwelt und hat sich zu einem CO2-neutralen Betrieb bis 2050 verpflichtet.

Um das zu erreichen, wird unter anderem mit Werften, Zulieferern und anderen Organisationen zusammengearbeitet und in diverse Zukunftstechnologien investiert. Die neueste Kooperation wurde nun mit Fincantieri und Snam eingegangen. Die seit 230 Jahren bestehende Werft Fincantieri hat sich seitdem mit 10.000 Mitarbeitern in Italien und 18 Werften auf vier Kontinenten zu einer der größten der Branche entwickelt. Zudem ist Fincantieri als einzige Werft in allen Bereichen der Hightech-Schiffsindustrie tätig, das heißt, es werden Kreuzfahrt-, Marine-, Öl-, Gas- und Wind-Offshore-Schiffe gebaut und umgebaut sowie Systeme und Ausrüstungskomponenten produziert. Snam ist im Bereich Energieinfrastruktur tätig und zählt dort zu den weltweit führenden Unternehmen sowie in Italien zu den größten börsennotierten Unternehmen mit Tochtergesellschaften in Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie Initiativen in China und Indien. In Europa hat Snam das größte Transportnetz und die meiste Erdgasspeicherkapazität und ist einer der führenden Regasifizierungsbetreiber. Durch Investitionen in Biomethan, Energieeffizienz, nachhaltige Mobilität auf Straße, Schiene und auf See, Wasserstoff und Forstwirtschaft will Snam bis 2040 CO2-neutral werden.

Wasserstoff wird in vielen Bereichen als sehr wichtig zur Erlangung der CO2-Neutralität angesehen. So kann „grüner“ Wasserstoff durch den Einsatz erneuerbare Energien zur Aufspaltung von Wasser bei der Elektrolyse ohne fossile Brennstoffe hergestellt werden, was ihn emissionsfrei macht. Mit „grün“ hergestelltem Wasserstoff kann durch eine Brennstoffzelle elektrischer Strom erzeugt werden, wobei nur Wasserdampf und Wärme freigesetzt werden.
Nun wurde am 26. Juli 2021 bekannt gegeben, dass MSC Cruises, Fincantieri und Snam für den Bau des weltweit ersten wasserstoffbetriebenen Kreuzfahrtschiffes kooperieren wollen, auch um die Dringlichkeit von Wasserstoff als Treibstoff in der Schifffahrt zu betonen. Zunächst soll eine zwölf Monate dauernde Machbarkeitsstudie erstellt werden, in der Voraussetzungen für Konstruktion und Bau eines solches Kreuzfahrtschiffes sowie die Entwicklung der zugehörigen Wasserstoff-Bunker-Infrastruktur untersucht werden. Hierzu gehören zum einen die Anordnung der Schiffsräume zur Unterbringung von Wasserstoff-Technologien und Brennstoffzellen und die technischen Parameter der Systeme an Bord. Aber auch die technische und wirtschaftliche Analyse der Wasserstoffversorgung und –infrastruktur sowie die Berechnung der potenziellen Treibhausgasemissionen sind Themen der Machbarkeitsstudie. Dafür sollen zahlreiche private und öffentliche Investoren gewonnen werden.

Die Stimmen der Unterzeichnenden sind durchweg positiv. Zwar musste der Executive Chairman der Kreuzfahrtsparte der MSC Group, Pierfrancesco Vago, zugeben „sind die Produktionsmengen heute noch gering und Wasserstoff als Kraftstoff ist noch weit davon entfernt, in großem Umfang verfügbar zu sein“. MSC legt aber „seit langem einen Fokus auf ökologischer Nachhaltigkeit“ und möchte „die Führungsrolle, um diese vielversprechende Technologie in unsere Flotte und in die Industrie zu einzuführen“. Außerdem glaubt Vago, dass durch die Entwicklung neuer Technologien in der Schifffahrt Energieversorger, öffentlicher Sektor und Regierungen aufmerksam und notwendige Unterstützung für die CO2-Reduzierung leisten werden. Der CEO von Fincantieri, Giuseppe Bono, begrüßt diese Möglichkeit „für neue Lösungen und Technologien“ als „Quelle des Wachstums“ und um „unseren Kunden das Beste an Innovation zu bieten, um die Umweltauswirkungen zu minimieren.“ Und für Marco Alverà, CEO von Snam, könnte Wasserstoff „ein Schlüssel zum Erreichen des Null-Emissionen-Ziels der Schifffahrt sein“. Diese verursacht ungefähr drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen und ihre Reduzierung sei „schwierig“. Die Vereinbarung von MSC Cruises, Fincantieri und Snam ist für ihn „Teil einer umfassenderen Strategie, um unsere Erfahrungen, Kompetenzen und Technologien in Bezug auf grüne Gase und Energieeffizienz zu nutzen“ und so CO2-Neutralität zu erreichen.
Die Absichtserklärung von MSC Cruises, Fincantieri und Snam könnte nur ein erster Schritt sein, aus dem in der Zukunft verbindliche Vereinbarungen zugunsten der Umwelt werden.

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