Landstrom bei Kreuzfahrtschiffen – was bringt er wirklich?

Von Kreuzfahrtexperte, 04.08.2026

Nicht nur Taue verbinden ein Kreuzfahrtschiff im Hafen mit dem Kai. Nach dem Festmachen wird bei vielen Schiffen zusätzlich ein dickes Hochspannungskabel angeschlossen. Das wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, spielt für die Zukunft der Kreuzfahrt aber eine immer größere Rolle: Landstrom.

Landstrom – im Englischen als „Shore Power“ oder „Cold Ironing“ bezeichnet – ist eines der am häufigsten genannten Themen, wenn es um nachhaltigere Kreuzfahrten geht. Doch was genau verbirgt sich dahinter? Warum benötigt ein Kreuzfahrtschiff überhaupt Strom, wenn es gar nicht fährt? Und weshalb können längst nicht alle Schiffe in jedem Hafen einfach „den Stecker einstecken“?

Ein Kreuzfahrtschiff verbraucht auch im Hafen enorme Mengen Energie

Viele Gäste gehen davon aus, dass ein Kreuzfahrtschiff im Hafen praktisch „aus“ ist. Tatsächlich ruht zwar der Antrieb, der Hotelbetrieb läuft jedoch nahezu unverändert weiter. Klimaanlagen, Restaurants, Bordküchen, Aufzüge, Wasseraufbereitung, Wäscherei, Beleuchtung, Theater, Pools und die gesamte Bordtechnik benötigen rund um die Uhr Strom. Je nach Schiffsgröße geht es dabei um mehrere Megawatt Leistung – vergleichbar mit dem Strombedarf mehrerer tausend Haushalte.

Bisher wurde dieser Strom während der Liegezeit meist von den bordeigenen Generatoren erzeugt. Diese werden in der Regel mit Schiffskraftstoff betrieben und verursachen Geräusche sowie Emissionen. Moderne Kreuzfahrtschiffe verfügen häufig über Abgasreinigungssysteme, die den Ausstoß von Schwefeloxiden, Stickoxiden und Feinstaub deutlich reduzieren können. Dennoch entstehen weiterhin Emissionen – und genau hier setzt der Landstrom an.

Was ist Landstrom?

Landstrom bedeutet, dass ein Kreuzfahrtschiff während der Liegezeit seinen Strom nicht selbst erzeugt, sondern über spezielle Hochspannungskabel direkt aus dem örtlichen Stromnetz bezieht. Die Generatoren an Bord können dadurch – bis auf einen Generator für die Notfallbereitschaft – weitgehend abgeschaltet werden.

Für die Gäste an Bord ändert sich dadurch übrigens nichts. Klimaanlage, Restaurants, Aufzüge oder Unterhaltung funktionieren wie gewohnt weiter. Der benötigte Strom kommt lediglich aus dem Stromnetz des Hafens und nicht mehr aus den Generatoren des Schiffes.

Warum nutzt nicht jedes Kreuzfahrtschiff Landstrom?

So einfach es klingt, ganz so unkompliziert ist es leider nicht. Damit Landstrom überhaupt genutzt werden kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen muss der Hafen über eine entsprechende Landstromanlage verfügen, zum anderen muss auch das Kreuzfahrtschiff technisch dafür ausgerüstet sein.

Gerade der Ausbau der Hafeninfrastruktur ist aufwendig. Es reicht nicht aus, einfach eine Steckdose am Kai zu installieren. Kreuzfahrtschiffe benötigen enorme Strommengen. Dafür sind leistungsfähige Stromanschlüsse, Transformatoren, Frequenzumrichter und spezielle Kabelsysteme erforderlich. Gleichzeitig muss das örtliche Stromnetz diese zusätzliche Leistung überhaupt bereitstellen können. Bei der Umwandlung und Übertragung des Stroms entstehen zudem Energieverluste, sodass das System nicht vollkommen verlustfrei arbeitet.

Auch für die Reedereien bedeutet die Ausrüstung oder Nachrüstung ihrer Schiffe erhebliche Investitionen.

Welche Vorteile bietet Landstrom?

Der größte Vorteil liegt in der Hafenliegezeit. Während das Schiff mit Landstrom versorgt wird, sinken die lokalen Emissionen deutlich und auch die Geräuschentwicklung nimmt spürbar ab. Gerade Hafenstädte profitieren davon, da sich Kreuzfahrtterminals häufig in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt befinden.

Für die Menschen vor Ort bedeutet das eine bessere Luftqualität und weniger Lärm – ohne dass der Komfort für die Gäste an Bord eingeschränkt wird.

Welche Nachteile hat Landstrom?

Oft wird Landstrom als besonders umweltfreundlich beschrieben. Grundsätzlich stimmt das – allerdings nicht uneingeschränkt.

Für die Klimabilanz spielt nämlich auch die Herkunft des Stroms eine entscheidende Rolle. Stammt dieser überwiegend aus erneuerbaren Energien, fällt der Umweltvorteil entsprechend größer aus. Wird der Strom dagegen hauptsächlich aus fossilen Energieträgern erzeugt, reduziert sich dieser Effekt.

Hinzu kommen die hohen Investitionskosten für Häfen und Reedereien. Auch die Nutzung von Landstrom kann – je nach Hafen und Strompreis – höhere Kosten verursachen als die Stromerzeugung an Bord.

Landstrom löst also nicht alle Herausforderungen der Schifffahrt. Er kann aber einen wichtigen Beitrag leisten, die Emissionen während der Hafenliegezeit deutlich zu reduzieren.

Welche Reedereien und Häfen setzen bereits auf Landstrom?

Der Ausbau der Landstrominfrastruktur schreitet weltweit kontinuierlich voran. Immer mehr Häfen investieren in entsprechende Anlagen und zahlreiche Kreuzfahrtreedereien rüsten ihre Flotten entsprechend aus. Dazu gehören unter anderem AIDA Cruises, TUI Cruises, MSC Cruises, Costa Kreuzfahrten, Norwegian Cruise Line, Royal Caribbean International und Celebrity Cruises. Bei Neubauten gehört die technische Vorbereitung inzwischen nahezu zum Standard, gleichzeitig werden viele bestehende Schiffe nachgerüstet.

Ob Landstrom während eines Hafenaufenthaltes tatsächlich genutzt werden kann, hängt jedoch immer davon ab, ob der jeweilige Hafen bereits über die notwendige Infrastruktur verfügt.

Auch die Europäische Union treibt den Ausbau weiter voran. Im Rahmen der FuelEU-Maritime-Verordnung wird die Nutzung von Landstrom für Passagier- und Containerschiffe in vielen größeren europäischen Häfen schrittweise verpflichtend – sofern eine entsprechende Anlage vorhanden ist.

Was bedeutet das für Kreuzfahrtgäste?

Die meisten Gäste werden den Unterschied an Bord kaum bemerken. Restaurants, Bars, Klimaanlagen oder Unterhaltung laufen wie gewohnt weiter. Spürbar sind die Veränderungen vor allem außerhalb des Schiffes. Wo Landstrom genutzt wird, entstehen während der Liegezeit weniger lokale Emissionen und auch die Geräuschentwicklung nimmt ab.

Für viele Hafenstädte ist das ein wichtiger Schritt, um Tourismus und Umweltschutz besser miteinander zu verbinden.

Unser Fazit

Landstrom wird die Kreuzfahrt nicht grundlegend verändern und ersetzt auch nicht die Diskussion über alternative Antriebe oder klimafreundlichere Kraftstoffe. Während der Hafenliegezeit bietet diese Technik jedoch eine sinnvolle Möglichkeit, lokale Emissionen und Lärm deutlich zu reduzieren.

Dass immer mehr Häfen entsprechende Anlagen errichten und nahezu alle großen Reedereien ihre Schiffe darauf vorbereiten, zeigt, wohin die Entwicklung geht. In den kommenden Jahren wird Landstrom in immer mehr Kreuzfahrthäfen zum Standard werden.

Vielleicht achtest du/ihr bei deiner/ihrer nächsten Kreuzfahrt einmal darauf, ob dein/ihr Schiff im Hafen an Landstrom angeschlossen wird. Mit etwas Glück lässt sich der Anschluss sogar vom Sonnendeck oder vom Balkon aus beobachten.

Kreuzfahrten suchen:

Weitere Kreuzfahrtsuchen

Social Media

    Kundenservice

    Tel. 04103 - 70 195 70
    Rufen Sie uns an, schicken Sie uns eine Email an kreuzfahrten@rivers2oceans.de oder fordern Sie Ihr persönliches Angebot an.
    persönliches Angebot

    Newsletter

    Aktuelle Angebote immer sofort per Newsletter erhalten

    * Pflichtangaben

    Gründe für uns

    Persönliche Beratung

    Top Kundenservice

    Tausende zufriedene Kreuzfahrt-Kunden

    Kreuzfahrten mit weltweiten Angeboten

    Extra günstige Sonderpreise

    +49(0)4103 - 70 195 70Mo.-Fr. 9.00 - 18.00 Uhr, Sa. 9.00 - 13.00 Uhr