Der Weihnachtsmann auf Kreuzfahrt

Von Kreuzfahrtexperte, 23.12.2025

Jedes Jahr das Gleiche, immer muss ich arbeiten, aber - dieses Mal schicke ich die Rentiere und gehe auf Kreuzfahrt.

Weihnachtsmann ohne Lust auf Weihnachten

Weihnachten wird immer anstrengender. Nicht nur, dass es immer mehr Menschen und immer mehr Geschenke gibt; das Essen wird auch immer leckerer und ich passe immer schlechter durch die immer engeren Schornsteine. Die Rentiere verlangen immer mehr und spezielles Heu, wollen Extras wie Rentiermäntelchen und Rückenmassagen und mehr Verantwortung. Können sie haben! Und wie!

Heimlich habe ich vor einiger Zeit eine Kreuzfahrt in den Süden gebucht, Sonne satt statt der ewigen Nordlichter. Außerdem wollte ich meine Umweltbilanz verbessern. Ethical Ocean hatte 2011 ausgerechnet, dass ich jedes Jahr rund 122 Millionen Meilen zurücklege und meine Rentiere so viel Methan ausstoßen, dass es rund 41000 Tonnen CO₂-Äquivalent entspricht. Und das für eine Person. Das ist schlimmer als Frachtschiffe aus China oder Langstreckenflüge; aber ich habe mich zusätzlich für ein Kreuzfahrtschiff mit LNG-Antrieb entschieden.

Überraschend günstig war es auch noch. Überrascht waren dann auch Blitzen, Comet, Cupid, Dancer, Dasher, Donner, Rudolph, Prancer und Vixen. Überrascht und nicht gerade glücklich. Zum einen, weil sie wohl doch mitbekommen haben, wie viel Arbeit Weihnachten macht und zum anderen wollten sie mich auf gar keinen Fall alleine reisen lassen. Was das wieder soll! Als wäre ich alt, nur weil es mich in meiner heutigen Inkarnation seit Anfang des 19. Jahrhunderts gibt… Naja, ich habe dann nachgegeben und zum Glück festgestellt, dass ich eine sogenannte Doppelkabine zur Einzelbelegung gebucht hatte, die noch zur Doppelbelegung umbuchbar war, was auch immer das hieß. Kurz vor Weihnachten streift die Route des Weihnachtsmannes immer die Karibik und so setzten Blitzen, Comet, Cupid, Dancer, Dasher, Donner, Prancer und Vixen Rudolph und mich diesmal einfach hier ab – noch weniger glücklich als vor einigen Wochen.

Allerdings wusste ich immer noch nicht genau, ob sie auch Rentiere mitnehmen. Aber es war gut, dass ich per Reisebüro gebucht hatte, die wussten, dass ich ein Assitenztier mitnehmen darf – obwohl er von Hunden sprach… Aber ich habe Rudolph als Begleitung gewählt, schließlich sieht bei der Nase jeder, dass er den Weg kennt, wird also schon gut gehen. Außerdem setze ich vorsichtshalber meine dunkle Sonnenbrille auf, damit mein dadurch unsicherer Gang, das weiße Haar und die Mütze über Rudolphs Geweih dafür sorgen, dass wir gemeinsam an Bord kommen.

Der Weihnachtsmann auf Weihnachten Kreuzfahrt

Und so war es. Es gab ein paar komische Blicke und die Security fragte irgendwas, aber als Tarnung hatte ich mir ausgedacht, dass ich eine Wette verloren habe und deswegen mit Weihnachtsmann-Verkleidung auf Karibik Kreuzfahrt gehen muss, einziges Zugeständnis ist ein Hawaii-Hemd in der Karibik. Das erklärt auch meinen seltsam aussehenden „Assistenzhund“, der leider ein „Rentier-Kostüm“ tragen muss. Der erste Gang war der zum Buffet – und was soll ich sagen, wenn das so weiter geht, muss ich auch nächstes Jahr die Rentiere durch die Schornsteine schicken… Soo lecker und so viel Auswahl, vor allem die Weihnachtsplätzchen. Nur die Sache mit Rudolph habe ich nicht ganz durchdacht, er passt nicht durch die Gänge am Buffet. Aber zum Glück ist der Service ganz wunderbar und wir bekamen alles gebracht, was wir uns nur wünschen konnten. Inklusive Lupinenheu! Das hatten wir als Sonderwunsch vorab angegeben. Auch unsere Kabine ist ganz wunderbar: schön bunt, ein großes weiches Bett, viel Platz auf dem Boden für Rudolph und eine Badewanne zum Abkühlen, um die wir uns wahrscheinlich ab und zu streiten werden, wenn es weiter so warm bleibt. Aber im schlimmsten Fall ziehe ich die Chef-Karte.

Ansonsten ist es absolut einmalig hier auf meiner Weihnachten Kreuzfahrt. Es gibt immer etwas Leckeres zum Essen. Wenn ich keine Lust zum Laufen habe, schicke ich Rudolph, dem ich Kärtchen mit meinen Wünschen umhänge oder ordere beim Zimmerservice – das will ich zu Hause auch! Zum Morgens-/Mittags-/Nachmittagsschläfchen kann ich eine Sonnenliege nutzen – bis meine Haut trotz Sonnencreme fast so rot ist wie meine Badehose -, mich die ewige Musik oder das Kindergeschrei nervt – so muss das sein, wenn die Geschenke falsch sind – oder ich zum Abkühlen in die Wanne will – sehr zum Ärger von Rudolph. Denn noch einmal Abkühlen im Pool mag ich mich nicht, nachdem ich beim ersten Mal über die Poolleiter gestolpert und mit einem Platsch im Wasser gelandet bin. Zwar habe ich viele Passagiere zum Lächeln gebracht, von denen niemand in Badehose und Sonnenbrille den Weihnachtsmann vermutet, aber irgendwie sollte man über den Weihnachtsmann nicht lachen, finde ich…

Damit es nicht nur mir gut geht, habe ich den Poolbereich mit blinkenden Rentierlichtern dekoriert – sehr zur Freude von Rudolph - und damit begonnen, überall an Bord kleine Geschenke für die Crew oder für besonders niedliche Kinder zu hinterlassen – endlich kann ICH mal auswählen, wer was bekommt.

Auf Ausflüge habe ich wenig Lust, schließlich sehe ich ständig ferne Länder und durch die Schlittenfahrt habe ich auch genug Aufregung und Panorama. Aber einmal habe ich eine Ausnahme gemacht. Grenada ist berühmt für Gewürze, wenn ich dann nach dem Urlaub meine heiße Schokolade mit Zimt und Nelken trinke, kommen bestimmt herrliche Erinnerungen wieder… Leider war mir nicht klar, dass der kulinarische Ausflug auch eine Rumverkostung beinhaltete…war sehr lecker, aber auch zungenlösend…beinahe hätte ich meine Tarnung gelüftet. Zum Glück waren keine Kinder mit auf diesem Ausflug, die sind wesentlich gescheiter, wenn es um den Weihnachtsmann geht.

Meine einzig andere Ablenkung von der wunderbaren Erholung sollte das Gala-Dinner werden. Das abendliche Tanzen habe ich nach circa zehn Minuten abgebrochen und lasse es zukünftig sein – meine überaus „große“ Geschicklichkeit und mein langer Bart führten zu großem Chaos an der Bar, als ich mich voller Schwung drehte und sich der Bart in der Bierzapfanlange verhedderte… Das Gala-Dinner steht allerdings auch in den Sternen, denn dafür soll mein üblicher rot-weißer Anzug nicht edel genug sein, sagte man mir. Aber ich hatte eine hervorragende Idee. Das Lupinenheu hat die Verdauung von Rudolph, sagen wir mal, angekurbelt und ich hatte eine größere Menge grüner Masse zur Verfügung, in die ich meine rote Hose eingelegt habe. Denn schließlich weiß ja jeder, dass rot und grün Komplementärfarben sind und grau ergeben und dass es an Bord eine Wäscherei gibt, um den Geruch zu entfernen. Soweit die Theorie. Die Wäscherei hat sich geweigert, die Hose sieht, im besten Fall, verschimmelt aus und wahrscheinlich muss ich nun den letzten Tag mit Badehose und Zimmerservice überstehen. Das hat man davon, Gepäck zu sparen, hätte ich mal auf mein Reisebüro gehört, die haben mir gleich vorgeschlagen, festliche Kleidung mitzunehmen – nur, was ist festliche Weihnachtsmannkleidung?

Statt Gala-Dinner haben wir dann den letzten Abend dazu genutzt, kleine Überraschungen wie winzige Weihnachtsmann- und Rentierfiguren, Schokoladenplätzchen und handgeschriebene Mini-Wunschzettel mit „Frohe Weihnachten“ in den Kabinen zu verteilen. Anschließend standen wir zufrieden am Heck des Schiffes, blickten aufs Wasser, Rudolphs rote Nase leuchtete mit dem Sonnenuntergang um die Wette, und fanden, dass unsere Weihnachtskreuzfahrt undercover nicht nur erholsam – und ja, etwas chaotisch - war, sondern auch so viel Spaß gemacht hat, dass wir überlegten, nächstes Jahr mit allen zu fahren. Sollen doch die Menschen selber  gucken, wie sie die Geschenke vor den Kamin kriegen… Und da nur ein paar Kinder die Vermutung haben, dass meine Tarnung gar keine war, können wir ja ohne Probleme erneut auf Weihnachten Kreuzfahrt gehen …

 

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