Overtourism: Warum manche Traumziele an ihre Grenzen kommen – und was das für uns Reisende bedeutet

Venedig erhebt Eintritt, Barcelona geht gegen illegale Ferienwohnungen vor und Santorin begrenzt Kreuzfahrtschiffe. Reisen ist schön – kann aber auch negative Seiten haben.
Wer in den letzten Jahren die Nachrichten verfolgt hat, stößt immer häufiger auf den Begriff Overtourism. Doch was steckt dahinter? Und welche Rolle spielen Kreuzfahrten dabei wirklich?
Reisen ist etwas Wunderbares
Dass heute so viele Menschen die Welt entdecken können, ist eine großartige Entwicklung. Reisen verbindet Kulturen, schafft Verständnis füreinander und sichert weltweit Millionen Arbeitsplätze. Auch Kreuzfahrten haben dazu beigetragen, dass viele Menschen die Welt erleben, neue Kulturen kennenlernen und unvergessliche Erinnerungen sammeln. Das Problem ist nicht das Reisen an sich.
Overtourism - wenn zu viele Menschen gleichzeitig am gleichen Ort sind
Overtourism entsteht dort, wo sich Besucherströme auf wenige besonders bekannte Reiseziele konzentrieren. Venedig, Dubrovnik, Santorin, Barcelona oder Amsterdam gehören seit Jahren zu den beliebtesten Destinationen Europas. An Spitzentagen treffen dort nicht nur Hotelgäste, sondern auch Tagesbesucher, Kreuzfahrtgäste und Individualreisende gleichzeitig ein. Dadurch werden historische Innenstädte immer voller, kleine Geschäfte verschwinden zugunsten von Souvenirläden, die Infrastruktur – nicht nur Verkehr, sondern zum Beispiel auch Müllbeseitigung - stößt an ihre Grenzen und Mieten steigen durch zu viele Ferienwohnungen. Manche Einheimische fühlen sich daher zunehmend aus ihrer eigenen Stadt verdrängt.
Kreuzfahrten: Teil des Problems – aber nicht allein verantwortlich
Kaum ein anderes Thema wird so emotional diskutiert wie Kreuzfahrtschiffe, die teilweise innerhalb weniger Stunden mehrere tausend Gäste in eine Stadt bringen. Gerade kleinere Häfen merken diese Besucherwellen deutlich. Das ist aber nur ein Teil des Problems. In Städten wie Barcelona, Valencia oder Amsterdam stammen die größten Herausforderungen, neben allgemein steigenden Einwohnerzahlen, meist aus einer Kombination von stark wachsendem Städtetourismus, unter anderem durch günstige Flugverbindungen und Tagesgästen, Ferienwohnungen über Plattformen wie airbnb und eben auch Kreuzfahrtschiffen.
Maßnahmen der Reiseziele
Viele Städte haben längst erkannt, dass sie den Tourismus besser steuern müssen, nicht abschaffen, sondern sinnvoll lenken. Denn bei zu starken Beschränkungen leidet die Wirtschaft und auch dagegen gibt es Stimmen. Um aber beispielsweise wieder mehr Wohnraum für Einheimische zu schaffen, gehen einige Städte inzwischen gegen illegale Ferienwohnungen vor.
Zu den häufigsten Maßnahmen gegen Overtourism im Bereich Kreuzfahrten gehören 2026:
- Begrenzung der Zahl der Kreuzfahrtschiffe pro Tag (zum Beispiel Palma de Mallorca, Santorin, Amsterdam, Juneau)
- Obergrenzen für Passagierzahlen und/oder Schiffsgrößen (zum Beispiel Dubrovnik, Venedig, Tahiti, Bar Harbour)
- höhere Tourismus- oder Hafengebühren (zum Beispiel Mykonos, Barcelona, Amsterdam, Barbados, Costa Maya)
- Verlegung von Kreuzfahrtterminals außerhalb historischer Innenstädte und Umweltauflagen für Schiffe (zum Beispiel Stockholm, Kopenhagen, Bergen)
- strengere Regeln für Reisegruppen (zum Beispiel in Bezug auf Verhalten und Größe in Barcelona, Venedig, Orten der Nordwestpassage)
- Eintrittsgebühren für besonders stark besuchte Städte wie Venedig
Aber während einige Destinationen bewusst begrenzen, investieren andere, wie die Kapverden, Schottland, Saudi-Arabien oder Florida, gleichzeitig in neue Kreuzfahrthäfen und werben aktiv um Schiffsanläufe. Die Entwicklung ist also keineswegs einheitlich.
Auch die Kreuzfahrt verändert sich
Die Reedereien reagieren ebenfalls, um den Overtourism zu reduzieren und die Bevölkerung nicht gegen sich aufzubringen. Es werden neue Routen entwickelt und häufiger alternative Häfen angelaufen, um besonders stark frequentierte Ziele zu entlasten. Auch extra Strandtage auf exklusiven Privatinseln werden zum Beispiel auf Karibik Kreuzfahrten eingebaut. Neue Landstromanlagen reduzieren Emissionen im Hafen und viele Reedereien kaufen heute deutlich mehr Lebensmittel und Produkte direkt in den bereisten Regionen ein als noch vor einigen Jahren, um die Wirtschaft vor Ort am Tourismus teilhaben zu lassen.
Was können wir als Reisende tun?
Und natürlich kann Jede und Jeder von uns dazu beitragen, dass Reisen auch in Zukunft für Gäste und Einheimische gleichermaßen angenehm bleibt - abgesehen von der Selbstverständlichkeit, respektvoll mit Kultur, Natur und den Menschen vor Ort umzugehen.
Es muss ja nicht immer Mallorca zur Hochsaison an stark besuchten Stränden sein, es gibt viele weniger bekannte Destinationen, die es zu entdecken lohnt. Wer die Insel liebt und unbedingt dorthin möchte, könnte die Nebensaison oder die Inselmitte ausprobieren oder Mallorcas „kleine Schwester“ besuchen. Aber es gibt im Mittelmeer mehrere Ziele, die hervorragende Alternativen zu Mallorca und wenig überlaufen sind.
Auch am Urlaubsort selbst können Reisende etwas verändern. So ist es sinnvoll, sich mehr Zeit zu nehmen, einen Ort zu entdecken und durchaus auch länger zu bleiben. Außerdem sollte verantwortungsvolles Reisen beinhalten, lokale Strukturen zu unterstützen: lokal einkaufen und essen sowie lokale Ausflugsanbieter nutzen.
Diese Ideen greifen als sogenanntes Slow Travel auch immer mehr Veranstalter auf, in der Kreuzfahrtbranche zum Beispiel durch Über-Nacht-Aufenthalte und entsprechende Landausflüge.
Unser Fazit
Overtourism ist ein komplexes Thema, auf das es keine einfachen Antworten gibt.
Kreuzfahrten spielen dabei eine Rolle – genauso wie Flugreisen, Ferienwohnungen, Social Media oder der Wunsch vieler Menschen, dieselben berühmten Orte zu besuchen.
Deswegen wird Overtourism nicht einfach rückgängig zu machen sein. Aber viele Destinationen und auch die Reisebranche versuchen, intelligente Lösungen zu entwickeln, um Besucherströme besser zu lenken und Natur, Kultur und Lebensqualität langfristig zu erhalten.
Und auch wir Reissenden haben es mit in der Hand, die Zukunft des Reisens zu gestalten. Indem wir uns für bewusstes Reisen entscheiden, lokale Angebote unterstützen und offen für neue Wege sind, helfen wir mit, dass die schönsten Plätze der Welt lebendig, gastfreundlich und wunderschön bleiben – denn: Reisen verbindet Menschen.

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